Michael Keckh - Bauschreiber von Prag

Michael Keckh war von Kaiser Maximilian II., als dieser noch als Erzherzog  war,  von Tirol nach Prag mitgebracht worden und war ab 1559  Bauschreiber des königlichen Schlosses zu Prag. Er erhielt am 2. September 1580 zu Prag von Kaiser Rudolf II. eine weitere Adelsbestätigung. Damit verbunden war die Rotwachsfreiheit, d.h. das Recht mit rotem Wachs zu siegeln, das privilegium denominandi (das Recht, sich nach den zu erwerbenden Gütern zu nennen und schreiben), der Diensttitel eines kaiserlichen Hofdieners, das privilegium fori (die Befreiungen von fremden Gerichten und von allen bürgerlichen Ämtern), die Verleihung des Freisitzrechtes im Reich und sämtlichen Erblanden, der kaiserliche Schutz und Schirm und die Salva Guardia, dh. das Recht, Personen ein bewaffnetes Geleit stellen zu dürfen. * (Österreichisches Staatsarchiv – Adelsakte sowie Frank, Karl Friedrich von: Standeserhebungen und Gnadenakte für das Deutsche Reich und die Österreichischen Erblande bis 1806, erschienen 1972 im Selbstverlag, Schloß Senftenberg.)

Michael Keckh hat seine Leistungen für das Haus Habsburg selbst dokumentiert. Seine Darstellung ist in der Adelsakte erhalten geblieben. Neben dem Hinweis auf die Verdienste seines Vaters, der schon Kaiser Maximilian I. gedient habe, wies er auf seine eigene langjährige Tätigkeit („die meiste Zeit seiner mannbaren Jahre“) für die Kaiser Ferdinand I. und Maximilian II.hin.

Ein Problem der neu geadelten Beamten bestand darin, daß sie von den alten Familien, die aus dem Schwertadel stammten, nicht für voll genommen wurden. Daher mußten sie zumindest auf einige Waffentaten hinweisen können, um die Erhebung in den Adelsstand zu rechtfertigen. Dies war für Michael Keckh seine Teilnahme an einer Unternehmung gegen die Türken.

In der Auseinandersetzung mit den Türken war der Feldzug des Jahres 1556 nur eine vergleichsweise unbedeutende Episode. Im Jahre 1552 war Erzherzog Maximilian Gubernator in Ungarn geworden. Dort herrschte ein brüchiger Waffenstillstand mit der Pforte. Ungarische und kroatische Freischärler erpressten das Landvolk und wurden sowohl von den Türken als auch von den Kaiserlichen bekämpft. 1555 hatten die Haiduken, wie sie sich nannten, die Dörfer Baja, Baks und Görösgal verbrannt und die Schlösser Korothna, Kaposvar und Babocsa besetzt. Tuighun, der Vertreter des Paschas von Ofen, sah sich gezwungen, selbst gegen diese Raubnester zu ziehen und zog die Truppen von sieben Begs zusammen. Beim Herannahen der türkischen Armee kapitulierten die Haiduken. Tuighun machte Anstalten, Szigeth zu belagern, zog sich aber wegen der fortgeschrittenen Jahreszeit zurück.

Im Frühjahr des Jahres 1556 kam Ali, der Pascha von Ofen von einem Feldzug aus Persien zurück. Er hatte von Sultan Soliman den Auftrag, die von Tuighun unterlassene Belagerung von Szigeth wieder aufzunehmen. * (Hammer-Purgstall, Joseph von: Geschichte des osmanischen Reiches - 2. verb. Aufl. - Pesth : C.A. Hartleben, 1834/36. – 2. Band, S 257-259.) Die Feindseligkeiten begannen damit, dass die Türken den kaiserlichen Hauptmann Valentin Toth bei Göstersch überfielen und ihm eine Niederlage beibrachten. Valentin Toth wurde gefangen genommen und nach Ofen gebracht. Darauf rückte die Armee Ali Paschas gegen die Festung Szigeth (Szigetvar) vor. * (Österreichisches Staatsarchiv – Kriegsarchiv – alte Feldakten 1556.) Am 24. Mai begannen die Türken mit der Belagerung von Szigeth und hatten schon die Umgebung der Stadt in Besitz genommen. Nach einem Monat hatten die Türken zwar die Stadt erobert, aber das Schloß widerstand allen Angriffen.

Tor der Festung Szigeth
Heutige Ansicht der Festung der Stadt Sziget.

Die Mauern gehören zu der Festung die erst nach der Eroberung durch die Türken im Jahre 1566 errichtet wurde. Hier machte 1566 Nikolaus Graf Zriny der  Verteidiger der Festung seinen legendären letzten Ausfall. Wenige Tage vorher war Sultan Soliman im Lager vor der Festung gestorben. Nikolaus Graf Zriny wird heute noch als ungarischer Nationalheld gefeiert. In der Österreichisch-Ungarischen Marine erhielt 1910 ein Linienschiff der Radetzky-Klasse seinen Namen. * (Weyer B.: Taschenbuch der Kriegsflotten XIX. Jahrgang 1918, J.F. Lehrmannsverlag München.)


Die Aufnahme entstand im Winter Anfang 2004.


Während die Türken Szigeth belagerten, rückte der Palatin Thomas Nadasdy mit österreichischen, steiermärkischen, bayrischen und ungarischen Truppen gegen Babocsa vor. Als Ali Pascha von der Belagerung von Babocsa erfuhr, ließ er Truppen zur Belagerung von Szigeth zurück und zog dem Palatin entgegen. Am 21. Juli 1556 wurde Ali Pascha von den kaiserlichen Truppen an der Ninya geschlagen und er hob am 31. Juli 1556 die Belagerung von Szigeth auf. Die Kaiserlichen erstürmten das Schloß Korothna, worauf die türkischen Besatzungen von St.Martin, St.Lorenz, Sellye und Görösgál diese Schlösser verließen. Ein türkischer Gegenangriff verlief erfolglos. * (Hammer-Purgstall, Joseph von: Geschichte des osmanischen Reiches - 2. verb. Aufl. - Pesth : C.A. Hartleben, 1834/36. – 2. Band, S 257-259.) Szigeth wurde erst zehn Jahre später von den Türken erobert.

Michael Keckh nahm an diesem Feldzug gegen die Türken in Ungarn teil und war dort für das Futter für die Pferde und die Verproviantierung der Truppen verantwortlich. Er nahm persönlich an der Entsetzung der Festung Sziget und an der Erstürmung der Schlösser Korothna und Babocsa teil. * (Österreichisches Staatsarchiv – Adelsakte.) Kaiser Ferdinand richtete an den Kommandanten der Truppeneinheit, den Markgrafen Sforza Pallavicini am 21.September 1556 ein Schreiben, in dem er ihm die allerhöchste Zufriedenheit über dessen Tapferkeit und die seiner Truppen bei der Eroberung Korothnas und über die weiteren Erfolge des Truppenteils zu erkennen gab. * (Österreichisches Staatsarchiv – Kriegsarchiv – alte Feldakten 1556, Nr. 9/31.)

Belvedere im Garten des Prager Schlosses
Renaissance-Pavillon Belvedere im Garten der Prager Burg, Er wurde etwa zu der Zeit erbaut, als Michael Keckh dort Bauschreiber war.

Aufnahme 2006

1559 hat Kaiser Ferdinand Michael Keckh das Bauschreiberamt im königlichen Schloss zu Prag zunächst provisorisch anvertraut. Der nächste Schritt auf der Karriereleiter war die Krönung Kaiser Maximilians II. in Frankfurt im Jahre 1562. Maximilian II. war der erste Kaiser der in Frankfurt gewählt und gekrönt wurde. Michael Keckh schreibt, dass der ungeachtet der dort grassierenden Seuche nach Frankfurt gefahren sei, um dort die Kaiserkrönung und ein großes Turnier vorzubereiten. * (Österreichisches Staatsarchiv – Adelsakte.) Am Reichstag von Augsburg 1582, an dem Rudolf II. zum Kaiser gekrönt wurde, hat Michael Keckh von Schwartzbach, „Bawschreiber“ zu Prag, als Angehöriger der „Beheimischen Camer und Appellations Kantzley“ teilgenommen. * (Fleischmann, Peter zu Frankendorff: Description: des aller durchleuchtigsten großmechtigisten unüberwindlichsten Fürsten und Herrn Rudolfen des anderen Erwölten Römischen Kaisers auch zu Hungern und Beheim Königs/ ec / Erstgehaltenen Reichstag zu Augspurg, ...- Augspurg, Michael Manger 1582. S 88 od. 89 je nach Ausgabe. - Peter Fleischmann auch von Putzwitz war Reichsherold.)

Bewerbungsschreiben Hans Keckh
Bewerbungsschreiben des Hans Keck, des jüngeren an den Grafen Hardegg um eine Stelle als Trabant am Kaiserhof. Er beruft sich danin ausdrüclich auf seinen Bruder Michael Keckh. 1. Seite.

Quelle: Archiv der Erzdiözese Wien,
Verlassenschaft Monsignore Karl Keck
Bewerbungsschreiben Hans Keckh
Bewerbungsschreiben des Hans Keck, des jüngeren an den Grafen Hardegg um eine Stelle als Trabant am Kaiserhof. Er beruft sich danin ausdrüclich auf seinen Bruder Michael Keckh. 2. Seite.

Quelle: Archiv der Erzdiözese Wien
Verlassenschaft Monsignore Karl Keck


Michael Keckh dürfte eigentlich das einflußreiche Mitglied der Familie gewesen sein, dem seine Vater und seine Brüder die Erhebung in den Adelsstand verdanken. Im 1561 erstellten Wappenbrief für seinen Vater wird ausdrücklich auf Michaels Tätigkeit als Bauschreiber des Prager Schlosses hingewiesen. Die hat insofern Verwirrung gestiftet, als einzelne Quellen auch Hans Keckh als Bauschreiber bezeichnen. Im Archiv des Grafen Hardegg * (Niederösterreichischen Landesarchiv, Archiv des Grafen von Hardegg, Stetteldorf, Faszikel Graf Julius I..) fand sich ein Schreiben von Hans Keckh junior an den Kaiser aus dem Jahre 1560, in dem er sich um einen Platz als Trabant bewirbt und sich dabei auf seinen Bruder Michael Keckh beruft. * (Archiv der Erzdiözese Wien, Verlassenschaft von Monsignore Karl Keck.) Michael Keckh ist im Mai 1599 gestorben.

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